Mit dem folgenden Interview des Präsidenten des Schwimmverbandes NRW Manfred Peppekus wird die Reihe, die bis zum Eröffnungstag am 6. Juni 2006 prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft Gelegenheit gibt, Meinungen und Erwartungen zur FIFA-WM in Deutschland zu äußern, fortgesetzt.
WFLV-AM: Fußball-Weltmeisterschaften 2006 in Deutschland - ist das für Sie nur ein internationales sportliches Großereignis oder mehr?
Manfred Peppekus: Natürlich ist die Fußball-WM 2006 im eigenen Land mehr als nur ein internationales sportliches Großereignis. Hier wird Spitzensport geboten, der nicht nur bei ausgesprochenen Fußballfans Interesse und Emotionen aufkommen lässt. Nicht nur Fußball-Deutschland, ganz Deutschland fiebert diesem Ereignis entgegen.
WFLV-AM: Wie schätzen Sie die Erwartungen der anderen Nationen in Bezug auf den WM-Ausrichter Deutschland in 2006 ein?
Manfred Peppekus: An Sportereignissen in Deutschland wird immer die Erwartung geknüpft, dass bei uns die Organisation ausgezeichnet funktioniert und dass wir hervorragende Gastgeber sind. Aber auch im sportlichen Bereich wissen alle, dass die deutschen Sportler im eigenen Land immer über sich hinaus wachsen.
WFLV-AM: Gibt es einen ganz persönlichen Bezug / Wunsch, den Sie mit der WM 2006 verbinden?
Manfred Peppekus: Selbstverständlich habe ich als Junge Fußball gespielt und war als Neusser bei einigen Länderspielen im alten Düsseldorfer Rheinstadion. Für mich bleibt dabei unvergessen die Atmosphäre beim ersten Fußball-Länderspiel in diesem Stadion als die neue Flutlichtanlage eingeschaltet wurde. Dieses Gefühl wünsche ich vielen Zuschauern bei den Spielen in unserem Land.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die WM 2006 aus Ihrer beruflichen Perspektive? Gibt es da Berührungspunkte?
Manfred Peppekus: Da gibt es leider keine Berührungspunkte.
WFLV-AM: Die Fußball-WM im eigenen Lande wird auch für viele Kinder und Jugendliche das Interesse an dieser Sportart verstärkt wecken. Welche Möglichkeiten von Politik und Gesellschaft sollten Ihrer Meinung nach stärker genutzt werden, um das ehrenamtliche Engagement zur Nachwuchsbetreuung besser zu unterstützen/fördern.
Manfred Peppekus: Die gesellschafts- und gesund-heitspolitische Rolle des Sports muss eine größere Anerkennung in unserer Bevölkerung finden, dann wächst ganz von alleine auch die Bereitschaft das ehrenamtliche Engagement im Sport besser zu fördern. Sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM sind dafür geeignete Plattformen.
WFLV-AM: Die Weltmeisterschaften sind der internationale Vergleich der Nationalmannschaften - bringt der deutsche Fußballsport / die Talentförderung im deutschen Fußball genügend Spitzenspieler hervor oder hätten Sie Verbesserungsvorschläge?
Manfred Peppekus: Die Talentförderung im deutschen Sport, also auch im Fußball, ist für meine Begriffe verbesserungsfähig. Solange ausländische Spitzensportler aus kommerziellen Gründen dem eigenen Nachwuchs vorgezogen werden, hat die Nachwuchsförderung Schwächen.
WFLV-AM: Der WFLV wirbt mit der Kampagne „Respect" im Rahmen des WM-Mottos „Zu Gast bei Freunden" für ein gewaltfreies Miteinander. Bei einem Viertel der Spielpaarungen, in drei Fußballstadien des Landes (DO, GE, K) werden hohe Anforderungen an Organisation, Verkehrsmittel und Sicherheit gestellt. Können wir diesen Erwartungen gerecht werden und unser Image in der Welt weiter verbessern?
Manfred Peppekus: Zusammen mit meiner Frau habe ich das letzte Fußball-Länderspiel gegen Holland im Parkstadion in Gelsenkirchen besucht. Im Vorfeld ist intensive Arbeit mit den verschiedenen Fan-Gruppen betrieben worden. Entgegen allen Befürchtungen kam es zu keinerlei Ausschreitungen, im Gegenteil es war eine durchaus freundliche Atmosphäre. Wir haben nach dem Spiel unsere Wurst und unser Bier mitten unter holländischen Zuschauern zu uns genommen und fühlten uns pudelwohl. Diese Stimmung erwarte ich bei allen Spielen und ich halte dies für machbar.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die Chancen der deutschen Nationalmannschaft auf den WM-Titel 2006 im eigenen Lande?
Manfred Peppekus: Darf ich mit einer Gegenfrage antworten: Wer sollte denn sonst gewinnen?
WFLV-AM: Wo möchten Sie die Begegnungen der Fußball-WM 2006 am liebsten verfolgen?
Manfred Peppekus: Es wäre schön, ein Spiel live erleben zu können, den Rest würde ich mir gerne im öffentlich rechtlichen Fernsehprogramm ansehen.
WFLV-AM: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft (Herren) wurde seit den WM Titeln 1954, 1974 und 1990 (und inzwischen auch Frauen 2003) als die „eigentliche Botschafterin Deutschlands in der Welt" bezeichnet. Zahlreiche Fußballbegriffe (rote/gelbe Karten, Abseits, Ball flach halten) haben Eingang in die Alltagssprache der Menschen gefunden. Ist für Sie Fußball auch „mehr als ein 1:0" - sind Ihnen Beispiele hierfür widerfahren?
Manfred Peppekus: Bei der letzten Hauptausschuss-Sitzung der Sporthilfe NRW hat Ihr Präsident Hermann Korfmacher mir eine Frage gestellt, auf die ich hervorragend eingehen konnte. Hinterher wurde dies von einem weiteren Sitzungsteilnehmer mit dem Bemerken kommentiert „Hier hast du von Hermann Korfmacher eine gute Steilvorlage bekommen." Richtig, ich brauchte nicht zu mauern und konnte, wie vom Fragesteller erwartet, gut antworten. Mein Gott ich darf nicht weiter darüber nachdenken, wie viel aus der Fußballsprache in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen wurde.
WFLV-AM: Sehen Sie neben der Freude auf die WM 2006 und einem enormen Impuls für den Fußball auch den „Wirtschaftsfaktor Fußball WM 2006" - mit der Verbesserung der Infrastruktur, einem Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, einer „Welt-Medien-Präsenz Deutschlands" über Wochen?
Manfred Peppekus: Die Olympischen Spiele 1972 haben der Stadt München einen enormen Aufschwung gegeben. Mit Abstrichen wird sich dies auch durch die Fußball-WM 2006 bei allen Austragungsorten und deren Umfeld positiv auswirken. Dadurch erfährt die Förderung durch die öffentliche Hand eindeutig ihre Rechtfertigung.
Freuen Sie sich auf das Statement von Ina Meise-Laukamp , Abgeordnete des Landtags NRW, die in der nächsten Ausgabe der WFLV-AM Rede und Antwort stehen wird.