Interview mit Oberbürgermeister Frank Baranowski, Gelsenkirchen
Frank Baranowski
Prominenten-Interview zur WM 2006
Mit dem folgenden Interview des Oberbürgermeisters der Stadt Gelsenkirchen, Frank Baranowski wird die Reihe, die bis zum Eröffnungstag am 6. Juni 2006 prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft Gelegenheit gibt, Meinungen und Erwartungen zur FIFA-WM in Deutschland zu äußern, fortgesetzt.
WFLV-AM: In einem Jahr kommt die Fußballweltmeisterschaft nach Gelsenkirchen - was bedeutet das für Sie?
Frank Baranowski: Natürlich ist die Fußball-Weltmeisterschaft für uns in Gelsenkirchen mehr als „nur" ein internationales Großereignis. Sie ist vor allem ein riesiger Impuls für unsere Stadt. Diesen Anstoß spüren wir schon jetzt in Form von täglich wachsendem Fußballfieber. Für die nähere Zukunft setzen wir aber auch auf den wirtschaftlichen Impuls, der von der Weltmeisterschaft ausgeht.
WFLV-AM: Wie schätzen Sie die Erwartungen der internationalen WM-Gäste Gelsenkirchens ein?
Frank Baranowski: Die Erwartungen an die Ausrichterstädte des größten Sportturniers der Welt sind hoch, und das zu recht. Unsere internationalen Gäste und die Organisatoren von der FIFA erwarten ein hohes Maß an Sicherheit, eine nahezu perfekte Infrastruktur für reibungslosen Verkehrsablauf und ein vielfältiges Rahmenprogramm für das internationale Publikum. Wir freuen uns, an diesen Maßstäben gemessen zu werden, weil wir so zeigen können, welches Poten-zial in unserer Stadt steckt.
WFLV-AM: Gibt es einen persönlichen Wunsch, den Sie mit der WM 2006 verbinden?
Frank Baranowski: Torjubel in der Arena ist die phänomenalste Geräuschkulisse, die ich kenne. Zur WM wünsche ich mir natürlich so viel wie möglich davon - am besten ist es natürlich, wenn dann auch noch Gerald Asamoah oder Kevin Kuranyi für die deutsche Elf treffen.
WFLV-AM: Welche Berührungspunkte haben Sie als Oberbürgermeister mit der WM?
Frank Baranowski: Als Oberbürgermeister werde ich nur eine Fußball-Weltmeisterschaft in Gelsenkirchen erleben. Natürlich hat die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur eine Bedeutung für mich, sondern auch für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Stadt, die dem Ereignis großes Engagement widmen. Einige Mitarbeiter haben sich sogar als freiwillige Helfer gemeldet.
Seit Anfang des Jahres haben wir die Kräfte aus verschiedenen Fachbereichen in sechs Arbeitskreisen gebündelt. Dort sorgen jeweils die städtischen und externen Experten für Sicherheit, Wirtschaft, Kultur, etc. dafür, dass die Weltmeisterschaft hier zu einer runden Sache wird. Koordiniert wird dies alles in unserem WM-Büro unter der Leitung von Herrn Theodor Wagner. Das WM-Büro ist übrigens auch die zentrale Anlaufstelle für poten-zielle Sponsoren.
WFLV-AM: Das Fußballgroßereignis WM bedeutet doch bestimmt auch eine Menge für den Fußballsport in der Stadt.
Frank Baranowski: Ich bin natürlich froh darüber, dass so viele Ehrenamtliche unseren Sportvereinen ihre Freizeit widmen. Wenn sich Sportvereine auch sozial engagieren, den Kindern und Jugendlichen Freizeitangebote machen, die über Sport hinausgehen, fördert die Stadt Gelsenkirchen solche Maßnahmen auch. Vereine, die etwa Jugendfreizeiten, Umweltaktionen oder Fortbildungen anbieten, können von der Sportjugend der Stadt Gelsenkirchen Unterstützung bekommen.
WFLV-AM: Bringt der deutsche Fußball auch genügend Spitzenspieler hervor, um international mithalten zu können?
Frank Baranowski: An Spitzenspielern aus Gelsenkirchen herrscht kein Mangel. Das Bekannteste Beispiel ist unser WM-Botschafter, Olaf Thon. Der Weltmeister von 1990 ist in Gelsenkirchen-Horst geboren und hat in unserer Stadt das Fußballspielen gelernt. Professionelle Talentförderung betreibt natürlich der FC Schalke mit seinem Jugendinternat. Die Kooperation mit der Gesamtschule Berger Feld ist bundesweit vorbildlich. Für das DFB-Talentförderprogramm haben wir außerdem unser „Jahnstadion" zu Verfügung gestellt. Doch nicht minder wichtig ist die Talentförderung im Breitensport. Möglicherweise kickt in einer unserer E-Jugendmannschaften ja schon ein Weltmeister von 2018.
WFLV-AM: Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband wirbt mit der Kampagne respect" für ein gewaltfreies Miteinander rund um den Fußballplatz. Zu gleich werden hohe Sicherheitsanforderungen und eine gute Verkehrsinfrastruktur von den WM-Ausrichterstädten gefordert, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Werden Sie diesen Anforderungen gerecht?
Frank Baranowski: In Gelsenkirchen haben wir Erfahrung als Ausrichter großer Fußballereignisse. Diese Routine gibt uns die Gelassenheit, unseren Gästen „respect" zu zollen - auch wenn es einmal stressig werden sollte.
Zu jedem Bundesligaspiel kommen mit rund 61.000 Menschen mehr Zuschauer in Stadion als zu den WM-Spielen. Während des Turniers sind aus Sicherheitsgründen ja nur rund 53.000 Zuschauer im Stadion erlaubt. Die Polizei hier, aber auch andere Sicherheitspartner, wie etwa beteiligte Abteilungen der Stadt oder der private Sicherheitsservice in Diensten des FC Schalke 04 gehen also routiniert mit dieser Situation um - und haben noch genug Ressourcen, um unseren internationalen Gästen als freundlicher und entspannter Sicher-heitspartner gegenüber zu treten.
Von den Investitionen in Infrastruktur und Verkehr werden die Menschen auch noch lange nach der Fußball-Weltmeisterschaft profitieren. Über 55 Mio. Euro fließen, auch dank Unterstützung von Bund und Land, in die Verkehrwege unserer Stadt. Wir sorgen für eine exzellente Autobahnanbindung auch mit einer neue An-schlussstelle und für flüssigen Transport dank Ausbaus innerstädtischer Routen sowohl für den Indivi-idualverkehr als auch im ÖPNV. Außerdem bietet unser zur WM neu gestalteter Hauptbahnhof allen Gästen einen freundlichen Empfang.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die Chancen der deutschen Nationalmannschaft auf den WM-Titel 2006 im eigenen Lande?
Frank Baranowski: Da wir in Gelsenkirchen Gastgeber einer Viertelfinalpaarung sind, ist der Wunschverlauf für das Turnier doch schon klar: Die deutschen Nationalmannschaft tritt hier im Viertelfinale an, am besten zu einem riesigen Fußballfest mit den Brasilianern als großem Kontrahenten. Bei einer bestimmten Spielkon-stellation in der Gruppenphase wäre das ja möglich. Ehrensache, dass die Nationalmannschaft dann in Gelsenkirchen gewinnt, nicht zuletzt dürften ja einige Spieler dabei sein, die sich in der Arena ganz zu Hause fühlen wie Gerald Asamoah, neuerdings Kevin Kuranyi oder Mike Hanke, der auch als Neu-Wolfsburger wohl die Arena nicht vergessen haben wird.
Natürlich haben wir in Gelsenkirchen nicht nur als Gastgeber, sondern auch als Fans nach der gelungenen Generalprobe im Confed Cup die größten Ambitionen. Deswegen möchten wir am 9. Juli den Pokal in den Händen der deutschen Spieler sehen.
WFLV-AM: Wo möchten Sie die Begegnungen der Fußball WM 2006 am liebsten verfolgen?
Frank Baranowski: Die Spieltage stehen in meinem Kalender, klar, dass ich in der Arena dabei bin.
WFLV-AM: Zahlreiche Fußballbegriffehaben Eingang in die Alltagssprache der Menschen gefunden. Ist für Sie Fußball auch „mehr als ein 1 : 0"?
Frank Baranowski: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist quasi ein Elfmeter für unsere Stadt, ich bin sicher, dass wir ihn verwandeln werden.
WFLV-AM: Sehen Sie auch den „Wirtschaftsfaktor WM 2006" - mit der Verbesserung der Infrastruktur, einem Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, einer „Welt-Medien-Präsenz" Deutschlands über Wochen?
Frank Baranowski: Der Fußball leis-tet schon seit geraumer Zeit seinen Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet. Nicht zuletzt weil er den Menschen den Enthusiasmus gibt, den man in Zeiten des Strukturwandels braucht. Von den Infrastrukturverbesserungen wird Gelsenkirchen auch langfristig profitieren. Die Baumaßnahmen sind schon jetzt auf einem sehr guten Weg.
Was die Medienpräsenz angeht, ist Gelsenkirchen schon jetzt international vertreten. Wir empfangen in diesen Tagen Journalistenteams aus Brasilien, Australien, den USA, Polen und weiteren Ländern.
Freuen Sie sich auf das Statement von Oberbürgermeister Fritz Schramma, Köln, der in der nächsten Ausgabe der WFLV-AM Rede und Antwort stehen wird.