Städteguide Köln erschienen: Die „Deutsche Fußball Route NRW" verbindet Sport und Kultur
Dr. Gregor Gdawietz, Hermann Korfmacher, Hans Jürgen Meyer (Fachverlag Meyer & Meyer) Karl-Josef Tanas, Dr. Robert Datzer (Geschäftsführer NRW-Tourismusverband e.V.) bei der Vorstellung des Städteguide Köln auf der Buchmesse in Frankfurt
Kreative Spurensuche auf weltweit einziger Fußballstraße
Wenn nur ausgiebig genug recherchiert wird, dann kommen auch die scheinbar ungewöhnlichsten Zusammenhänge zutage. Dr. Gregor Gdawietz ist das gelungen. Der Geschäftsführer des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) wies nunmehr nach, dass sogar der Kölner Dom eine Verbindung zum Fußball habe. „Viele Gäste-Fans, die ihre Mannschaft zum 1. FC Köln begleiten, zünden dort vor den Spielen eine Kerze an, die dann den Sieg bringen soll", sagt Gdawietz und weist sogleich darauf hin, dass dieses Unterfangen wenig bringe. Denn im Dom wurde schließlich mit Hennes Weisweiler der 1983 verstorbene Meister-trainer der Kölner aufgebahrt. Dessen Geist soll immer noch seine schützenden Hände über den FC halten.
Nachzulesen ist das alles im von Gdawietz veröffentlichten „Städteguide Köln", dem gerade erschienenen ersten Band der „Deutschen Fußball Route NRW". Anhand des 84 Seiten starken Reiseführers (6,95 Euro, Verlag Meyer & Meyer, Bezug unter dfr@wflv.de) können vor allem auswärtige Besucher die fußballhistorischen Stätten in der Domstadt abwandern und sich dabei kulturell weiterbilden. 21 Stellen fielen dem Autoren bei der Spurensuche ins Auge. Darunter die „Sportklause Nelles", in der auch die 54er-Weltmeister Fritz Walter und Hans Schäfer ein Bier tranken oder der Südfriedhof, auf dem der langjährige Fortuna-Vorsitzende Hans „Jean" Löring und der einstige FC-Präsident Franz Kremer ihre letzte Ruhe fanden. Stätten wie das RheinEnergie-Stadion, das Geißbockheim, die Hennes-Weisweiler-Akademie oder der Rathausplatz (Ort zahlreicher Feiern) wurden nebst Öffnungszeiten zwecks Führungen zwangsläufig nicht ausgelassen. „Aus Platzgründen konnten wir leider nur einen Bruchteil darstellen", entschuldigt Gdawietz, der sich für sein kurzweiliges und gelungenes Erstlingswerk mit Zeitzeugen unterhielt, um nette Anekdoten einfließen zu lassen. Es sind Geschichten, die sowohl für sportkundige Kölner als auch für Touristen mit Sicherheit ihren Reiz haben.
Die Kölner Ausgabe ist nur der erste Teil einer 15 Bände umfassenden Reihe, die spätestens im Herbst des nächsten Jahres fertig sein soll. Von Aachen bis Bielefeld befinden sich nach Köln auch Leverkusen, Mönchengladbach, Krefeld, Düsseldorf, Wuppertal, Duisburg, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund und Münster in der Produktion, die ebenso akribisch und unterhaltsam ausfallen soll. Dafür wurden eigens Arbeitsgruppen gebildet. Schon vor der Weltmeisterschaft 2006 werden die WM-Städte Gelsenkirchen und Dortmund beleuchtet sein. „Die WM ist ein Anlass, danach hört der Fußball aber nicht auf", glaubt Gdawietz an ein unvergängliches Werk. Wer berücksichtigt, dass pro Jahr rund 200 große Bundesliga- und internationale Spiele in NRW ausgetragen werden, mag dem zustimmen.
Begleitend zum Buch sollen künftig regelmäßig Städteführungen stattfinden. Für die interessierten Spaziergänger wird dann eigens ein Pilgerpass, der abgestempelt werden kann, ausgestellt. In Köln wurden vor den aufgelisteten Plätzen bereits pikfeine Infotafeln aufgestellt. „In Süddeutschland gibt es viele touristische Weinstraßen, in NRW haben wir bald eine Fußballstraße. Das ist einzigartig", meint DFB-Vizepräsident Karl-Josef Tanas, der das Projekt gerne unterstützt und den Kölner Städteguide als „wahre Fundgrube" bezeichnet: „Hier wird kreativ dokumentiert, dass die Fußball Route eine ganz besondere Themenstraße ist."
Auch Dr. Robert Datzer, Geschäftsführer des NRW-Tourismus e.V., ist angetan. „Nach Bayern ist NRW ohnehin das Bundesland mit den zweithöchsten touristischen Gästen. Die Fußball Route bietet schöne Anregungen für interessante Ausflüge und ist ein gutes Beispiel, wie Fußball und Kultur verbunden werden kann", sagte Datzer. Die gesamte Strecke könne auch mit dem Rad oder als Bus-Tour abgefahren werden. Die Sportschulen Hennef, Duisburg-Wedau und Kaiserau bieten den Kurz-Urlaubern dann nach Absprache Übernachtungs-Möglichkeiten. „So können die Touren besonders schön und ausgiebig angegangen werden", meinte WFLV-Präsident Hermann Korfmacher, der stolz auf das von Gdawietz ins Leben gerufene Projekt ist.
Nicht nur der Fußball-Fan wird auf der Fußball Route viel Spaß haben und interessante Dinge erleben. Am Wegesrand befinden sich sicherlich genügend Kirchen, in denen Kerzen für die bevorzugte Mannschaft angezündet werden können. Es muss ja nicht immer der Kölner Dom sein.