Mit dem folgenden Interview des DFB-Präsidenten, Gerhard Mayer-Vorfelder, wird die Reihe, die bis zum Eröffnungstag am 6. Juni 2006 prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft Gelegenheit gibt, Meinungen und Erwartungen zur FIFA-WM in Deutschland zu äußern, fortgesetzt.
WFLV-AM: WM in Deutschland - ist das für sie nur ein internationales sportliches Großereignis oder mehr?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Die WM ist ein Glücksfall für den Fußball und ein Glücksfall für Deutschland. Wir haben die modernste Fußballinfrastruktur der Welt in Deutschland. Wenn ich mir ansehe, wie viele Projekte rund um den Fußball anlässlich der WM angeschoben worden sind und werden - das ist einzigartig und es wird den Fußball selbst aber, vor allem auch die gesellschaftlichen Strukturen rund um den Fußball überall in Deutschland fördern. Für Deutschland bietet sich eine Chance, wie es absehbar keine zweite geben wird, sich darzustellen als weltoffen, gastfreundlich mit Tradition und Herz.
WFLV-AM: Wie schätzen sie die Erwartungen der anderen Nationen in Bezug auf den WM-Ausrichter Deutschland ein?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Nun, man wird eine perfekt organisierte WM von uns erwarten und diese Erwartung werden wir auch erfüllen. Darüber hinaus, und darin liegt eben die Chance, können wir auch einigen Vorurteilen begegnen.
WFLV-AM: Gibt es einen persönlichen Bezug zur WM 2006?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Ich habe die WM-Bewerbung 2006 von Anfang an unterstützt und mitverfolgt. 1993 habe ich in Zürich dem damaligen FIFA-Präsidenten Havelange die Bewerbung übergeben. Ja, das ist eine ganz besondere Sache für mich, diese WM nun als DFB-Präsident zu erleben. Ich betrachte das als Höhepunkt meiner Zeit als Fußball-Funktionär.
WFLV-AM: Bringt der deutsche Fußballsport genügend Spitzenspieler hervor oder hätten Sie Verbesserungsvorschläge für die Talentförderung?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Der DFB hat in den letzten Jahren so viel für die Talentförderung getan wie nie zuvor. Wir haben die Leistungszentren bei den Lizenzvereinen eingeführt, das Talentförderprogramm mit einem flächendeckenden Stützpunktnetz, die Sportbetonten Schulen und die Schulkoope-rationen gefördert und ausgebaut, die A-Junioren-Bundesliga und demnächst auch die B-Junioren-Bundesliga eingeführt. Die Zeiten, in denen die Talente im DFB auf den Bäumen gewachsen sind, sind vorbei und das haben wir erkannt. Wenn sie heute die Bundesligamannschaften anschauen, erkennen sie eine klare Veränderung zu der Lage nach 2000 - wir haben wieder eine ganze Reihe von sehr talentierten jungen Spielern und sie werden auch eingesetzt. Die Liga weiß um ihre Verantwortung für den Nachwuchs. Wenn jetzt der Einsatz von deutschen Talenten in der Bundesliga besonders honoriert werden soll, an solchen Vorhaben erkennt man doch, dass in die richtige Richtung gedacht wird. Ich habe es immer als meine wichtigste Aufgabe als DFB-Präsident angesehen, den Nachwuchs zu fördern. Und ich glaube man kann sagen: wir haben etwas erreicht.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die Chance der deutschen Nationalmannschaft auf den WM-Titel 2006?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Jürgen Klinsmann hat als Ziel den WM-Titel ausgegeben und mir hat das imponiert. Natürlich erwarten die Menschen das im eigenen Lande und das macht eben Jürgen Klinsmann aus, dass er sich dem stellt. Ich persönlich habe gesagt, dass für mich auch das Erreichen des Halbfinales ein großer Erfolg wäre. Mein Blickwinkel als DFB-Präsident ist ein anderer. Auch eine Mannschaft, bei der alles stimmt und bei der auch das Umfeld optimale Arbeit leistet, kann verlieren. Entscheidend ist das „wie". Aber da habe ich überhaupt keine Sorge: Wir werden mit dieser Mannschaft viel erreichen und die Spieler werden wirklich alles geben, davon bin ich überzeugt.
WFLV-AM: Sehen sie neben der Freude auf die WM und einen enormen Impuls für den Fußball auch den Wirtschaftsfaktor Fußball WM 2006 - mit der Verbesserung der Infrastruktur, einem Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet ?
Gerhard Mayer-Vorfelder: Ich habe ja bereits oben ausgeführt, wie einzigartig diese WM für uns alle ist. Natürlich verbinden sich damit auch viele Hoffnungen oder gar Erwartungen. Allerdings befällt mich manchmal auch die Sorge, dass die WM überfrachtet wird mit Ansprüchen. Sie wird nicht alle Probleme der Menschen und dieses Landes lösen können. Wenn wir es schaffen uns mit Hilfe des Anstoßes WM aus der wirtschaftlichen Depression und der Lethargie ein Stück weit zu lösen - den Weg wieder frei zu machen für Optimismus und Tatendrang, dann hat die WM mehr bewirkt, als wir erwarten durften.
Freuen Sie sich auf ein Statement von Dr. Theo Zwanziger, Geschäftsführender DFB-Präsident, der in der n