Stattliche Medaillenausbeute für Athleten des WFLV bei den DLV-Titelkämpfen in Karlsruhe
Claudia Tonn
Die Leichtathleten des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes waren die großen Gewinner bei den deutschen Hallenmeisterschaften am 26. Februar 2006 in Karlsruhe. Achtmal „Gold", fünfmal „Silber" und zehnmal „Bronze" lautete die stolze Bilanz. „Das Herz der deutschen Leichtathletik schlägt damit im westdeutschen Raum," freuten sich die beiden Landesverbandsvorsitzenden, Hans Schulz und Franz-Josef Probst.
Auf die Minute topfit waren die Sprinter des TV Wattenscheid, die in der
4 x 200 m-Staffel in der Besetzung Sebastian Ernst, Marc Blume, Jan- Christopher Schulte und Ronny Oswald mit großartigen 1:23,98 Minuten den 21 Jahre alten deutschen Hallenrekord von Bayer Leverkusen um 19 Hundertstelsekunden unterboten.
Die Schützlinge von Ronald Stein hatten zuvor auch in den Einzelwettbewerben Klasseleistungen abgeliefert. Über 60 m lag Ronny Oswald in 6,63 Sekunden knapp, aber sicher vor seinem Teamkollegen Marc Blume, der als Zweiter mit 6,67 Sekunden keineswegs enttäuschte. „Es war ein runder Lauf. Ich bin mit meiner Leis-tung sehr zufrieden," befand Sieger Ronny Oswald.
Über 200 m versuchte Sebastian Ernst (TV Wattenscheid), in 21,07 Sekunden den Star der Veranstaltung, Tobias Unger (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg, 20,79 Sek.), herauszufordern, doch er musste sich mit dem Vizemeistertitel begnügen.
Sehr Beifall erhielt Jan Fitschen (TV Wattenscheid), der sich über 3000 m den Titel in 7:53,14 Minuten sicherte und damit auf dieser Distanz bereits zum fünften Mal in Reihenfolge vorn lag. Die Europameisterschaften in Göteborg, bei denen er über 5000 m in den Endlauf kommen möchte, bilden das große Ziel des 29-jährigen Physikstudenten in diesem Jahr. Daher verzichtete der sympathische Wattenscheider auf einen Start an den Hallen-Weltmeisterschaften vom 10. bis 12. März in Moskau, weil er sich zum gleichen Zeitpunkt bereits in einem Höhentrainingslager in Flagstaff (US-Bundesstaat Arizona) befindet.
Einen großen Unterhaltungswert hatte der Stabhochsprung der Männer. Dafür sorgte vor allem der 33-jährige Tim
Lobinger (ASV Köln), der die respektable Höhe von 5,80 m im zweiten Versuch meisterte und damit den spannenden Wettbewerb vor dem elf Jahre jüngeren Fabian Schulze (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg, 5,75m) gewann. Im Gegensatz zum Stabhochsprung wies der Hochsprung der Männer ein schwaches Niveau auf. Dies soll jedoch keineswegs die Leistung von Roman Fricke (Bayer Leverkusen) schmälern, für den die Höhe von 2,22 m zum Sieg reichte.
Bei den Damen musste sich Birgit Rockmeier (LG Olympia Dortmund) im 200 m-Finale auf der Zielgeraden mächtig ins Zeug legen, um in der neuen persönlichen Jahresbestzeit von 23,37 Sekunden vor der Mannheimerin Johanna Kedzierski (MTG Mannheim, 23,42 Sek.) zu liegen. „Ich habe auf den letzten Metern etwas zu viel auf die Videowand geschaut. Das wäre beinahe schief gegangen," erklärte Birgit Rockmeier, die in der Europahalle ihren dritten 200 m-Titel in Reihenfolge gewann.
Claudia Tonn (LC Paderborn) hat unter der Anleitung ihres neuen Trainers Uwe Florczak bemerkenswerte Fortschritte im Weitsprung gemacht. In Karlsruhe hätten ihre gültigen Versuche alle zum Titelgewinn gereicht. Mit ausgezeichneten 6,53 m dominierte die 24-jährige Siebenkämpferin klar vor Sofia Schulte (LG Staufen, 6,35 m) und Sonja Kesselschläger (SC Neubrandenburg, 6,25 m). Trotz ihres Erfolges kam bei Claudia Tonn keine allzu große Freude auf, denn sie hätte gerne die Norm von 6,60 m für die Hallen-WM in Moskau unterboten.
Wegen einer Magen-Darm-Grippe hatte sich Kerstin Werner (TV Wattenscheid) gegen die 1500 m-Distanz entschieden und gab der 800 m-Strecke den Vorzug. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn die Wattenscheiderin gewann im Spurt den Titel in 2:08,06 Minuten vor Jana Hartmann (LC Erfurt, 2:08,35 Min.). Im Hochsprung schaffte die frühere deutsche Hallenmeisterin, Kathryn Holinski (Bayer Uerdingen/Dormagen), nach einer längeren „Auszeit" als Zweite mit 1,87 m einem viel versprechenden Neubeginn.