WFLV-Projekt optimiert Spiutzenförderung im Mädchenfußball
WFLV- Projekt optimiert Spitzenförderung im Mädchenfußball Fußball- Landesverbände von NRW in einem Boot
Dass der Mädchen- und Frauenfußball in Deutschland in den letzten Jahren ein stetig wachsendes Interesse hervorruft, ist hinlänglich bekannt. Schließlich haben Welt- und Europameistertitel der Frauen-Nationalmannschaft und auch die internationalen Erfolge der jüngeren DFB-Auswahlmannschaften entsprechende Anerkennung und Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden.
Dass heute jedoch über 50% der Spielerinnen der verschiedenen Kader des DFB in Vereinen aus NRW spielen, lässt sich neben der guten Vereinsarbeit auch auf ein Förder-projekt des WFLV für talentierte Fußballspielerinnen zurück führen, welches die Spitzenförderung im Nachwuchsbereich für das gesamte Bundesland NRW zu einer einheitlichen Ausrichtung vereint hat und seit dem Jahr 2000 sichtbar erfolgreiche Arbeit leistet. Dieses WFLV-Mädchenfußball-Förderprojekt soll in den nächsten Ausgaben dieser Verbandszeitung in seinen Strukturen, Zielsetzungen und Perspektiven vorgestellt werden.
Dieser erste Beitrag „das Modell" beschreibt die gemeinsamen Strukturen aus den drei Landesverbänden heraus bis in die regionale Spitze der einzelnen Altersklassen.
In den nachfolgenden Beiträgen „Die Entwicklung", „Die individuelle Förderung" und „Die Integration als Elite-Förderung des DFB" zeigen einzelne Beispiele und detaillierte Darstellungen der einzelnen Maßnahmen, dass Fördern nicht nur mehr Training bedeuten darf.
Verantwortungsbewusste sportliche Förderung sollte in erster Linie die Bedürfnisse des einzelnen Talentes im Auge behalten und gegebenenfalls auch auf Erfahrungen und Ergebnisse aus anderen Sportarten und wissenschaftlichen Untersuchungen zur Optimierung der individuellen Leistungsfähigkeit zurück greifen.
Teil I: - Das Modell -
Die drei Landesverbände des WFLV, Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen haben eine einheitliche Förderstruktur entwickelt mit der Zielsetzung, auch und im besonderen den jungen Fußballspielerinnen auf regionaler Ebene - und diese entspricht der unseres Bundeslandes NRW - zusätzliche individuelle Entwicklungsperspektiven zu bieten. Die Möglichkeiten dazu bot die Stiftung zur Förderung des Nachwuchssports des Landes NRW. Diese - kurz genannt - Sportstiftung-NRW stellte vom Jahr 2000 an jene finanzielle Unterstützung - aber zusätzlich auch eine vielfältige Beratung - zur Verfügung, welche entscheidend zur Realisierung dieses erfolgreichen Projektes beigetragen haben und weiterhin auch beitragen.
Grundlage dieses Förderprojektes ist und bleibt die Arbeit der zahlreichen Vereine für Mädchen- und Frauenfußball. Neben der bisherigen Förderung innerhalb der Fußballkreise übernehmen im gesamten Verantwortungsbereich des WFLV lizenzierte Honorartrainer nach Vorgaben und Unterweisung der jeweiligen hauptamtlich im Landesverband angestellten Verbandssportlehrerin die Sichtung und Förderung der talentierten Mädchen von den Altersbereichen der U13 an flächendeckend in dezentralen Stützpunkten. Vergleichsspiele der einzelnen Stützpunkte untereinander bieten den talentierten Mädchen der Altersgruppen U13 und U15 das Sprungbrett in den eigentlichen, eng gehaltenen Spielerinnenkader des jeweiligen Landesverbandes. Für die Altersklassen der U17 sind die Spielbeobachtungen und die über mehrere Jahre begleitete sportliche Entwicklung des einzelnen Talentes für die Zusammenstellung dieses Landeskaders ausschlaggebend.
Jeder Landesverband hat eine mit der höchsten deutschen Fußball-Trainerlizenz (Fußball- Lehrer) ausgestattete Verbandstrainerin hauptamtlich für die Aufgaben innerhalb des Projektes angestellt. Diese erfahrenen ehemaligen National- und Bundesligaspielerinnen sichten und betreuen die talentierten Mädchen des jeweiligen Landeskader.Mehrtägige Lehrgänge, 14tägiges zentrales Stützpunkttraining und Testspiele bilden den sportlichen Rahmen der verbandsseitigen Talentförderung. Der jährliche Schulungsplan baut dabei auf für jede Förderung zu berücksichtigenden Vorgaben auf.
(I) Das mannschaftliche Vereinstraining soll möglichst nicht oder nur unwesentlich durch Fördermaßnahmen beeinträchtigt werden.
(II) Ein regelmäßiger Spielbetrieb in den Vereinen muss gewährleistet bleiben.
(III) Maßnahmen des DFB bilden als vorrangig den Rahmenterminkalender für den WFLV.
(IV) Eine Überbeanspruchung des einzelnen Talentes durch eine Ballung von Maßnahmen der unterschiedlichen Förderungsträger ist auszuschließen.
Auch und gerade das sportlich besonders engagierte Mädchen benötigt individuellen Freiraum zur allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung.
Mit der Berufung in diesen Landeskader hat ein talentiertes Mädchen die Schnittstelle zum Nationalkader des DFB erreicht. Soweit scheinen die Strukturen des Projektes abgesehen von der Komprimierung und Vereinheitlichung der Sichtung und Förderungsmaßnahmen nichts wesentlich „Neues" aufzuweisen.
Mit der Förderung der besten Spielerinnen oberhalb dieser Schnittstelle auf regionalem Niveau, also bereits innerhalb des Förderbereiches des Dachverbandes, präsentiert der WFLV seine Lösung eines zentralen Problems in der Talentförderung. Nur einige in den Turnieren der Verbandsauswahlmannschaften vom DFB gesichteten Talente können in den folgenden Jahren regelmäßige Gelegenheiten erhalten, sich auf nationalem Niveau individuell weiter zu entwickeln. Zahlreiche als Talent gesichtete Spielerinnen müssen zwangsläufig nach ein oder zwei Sichtungskursen im Kreise der so genannten „DFB- Elite" wieder den Schritt zurück auf das Niveau der einzelnen Landeskader tun und auf eine neuerliche Bewährungschance im Sichtungsturnier der älteren Jahrgänge hoffen. Angesichts der bekannten Problematik so genannter „Spätentwickler" ein nicht unbedeutender Nachteil für die Erfassung und besonderen Weiterentwicklung der Besten. Hier bietet die Förderung im WFLV-Projekt zusätzliche Entwicklungschancen auf dem Leistungsniveau oberhalb einer Landesauswahl.
Die Sichtung der talentierten U13 und U15-Mädchen für die WFLV- Kader erfolgt innerhalb eines Sichtungsturniers der drei Landesauswahlmannschaften durch die drei hauptamtlichen Verbandstrainerinnen in Duisburg. Diese Trainerinnen planen und führen auch gemeinsam die weitere Betreuung und Förderung dieser „WFLV-Elite" durch. Für den U17-Bereich, deren Mädchen bereits häufig in Frauenmannschaften eingesetzt werden, wird auf eine zusätzliche Beanspruchung in Form eines Sichtungsturniers verzichtet. Die langjährige Zusammenarbeit mit diesen Spielerinnen bietet den Trainerinnen für die Erfassung des WFLV-Kaders ausreichende Hinweise.
Die mehrtägigen Lehrgänge für die besten Spielerinnen des Bundeslandes NRW beschränken sich nicht nur auf das sportliche Training. Mit unterschiedlichen flankierenden Maßnahmen aus den oft zu wenig berücksichtigten Bereichen Leistungsbestimmender physischer, mentaler und psychischer Faktoren gewährleisten die Verbandstrainerinnen in Zusammenarbeit mit Experten der jeweiligen Fachgebiete in den Sportfreien Zeiten eine persönlich orientierte Betreuung und Förderung der einzelnen jungen Spielerin.
Vergleichsspiele - als notwendige Testmaßnahmen im Verlauf sportlicher Förderung innerhalb der Lehrgänge ausgetragen - ermöglichen zum einen eine stressfreie Vorbereitung auf den Wettkampf und damit eine optimale Voraussetzung, das eigene tatsächliche Leistungsvermögen abzurufen. Zum anderen können die Trainerinnen anschließend gemeinsam mit den Spielerinnen das Spiel in Ruhe für zu planende Trainingsaufgaben auswerten.
Wie zu Beginn bereits erwähnt, das WFLV-Mädchen-Projekt leistet bereits für einen großen Teil (50 %) der „DFB- Elite-Spielerinnen" Förderarbeit auf der Stufe des Dachverbandes. Wie und warum die einzelnen Fördermaßnahmen aufgebaut und weiter entwickelt wurden, wird im nächsten Beitrag zum WFLV- Projekt „Die Entwicklung" genauer beschrieben.