Fußballkonferenz "Fußball ist unser Leben...!" in Düsseldorf
Hermann Korfmacher, WFLV Präsident
Fußball ist unser Leben …!
Fast 400 Teilnehmer aus NRW wurden am 10.03.2006 von Dr. Ingo Wolf Innen- und Sportminister des Landes und von Hermann Korfmacher, Präsident des WFLV in den Rheinterrassen von Düsseldorf begrüßt. Die hohe Teilnehmerzahl wurde vom Minister als positive Rückmeldung auf die Veranstaltungsidee gewertet. Besonders erfreut war er über die Teilnahme der vielen engagierten Menschen aus den Fußballvereinen, die mit den Verbänden des Landes wichtige Partner von Land und Kommune und für eine zukunftsfähige Sportentwicklung unverzichtbar sind. Nordrhein-Westfalen - so der Minister - verstehe sich als Fußball-Land Nr. 1 mit einem herausragenden Potential an Aktiven, Vereinen, Stadien und Zuschauern. Ein Herzensanliegen des Ministers war es, die gewaltigen Integrationsleistungen des Fußballs, besonders für Kinder und Jugendliche hervorzuheben. Für Frauen und Mädchen gewinnen diese Leistungen an Bedeutungen, für Menschen mit Migrationshintergrund wird noch Handlungsbedarf gesehen.
Hermann Korfmacher, WFLV-Präsident, bezog in seiner Eröffnungsrede Position zu der Frage „Was bewegt einen Regionalverband, wie den WFLV, zur Ausrichtung einer solchen Fachkonferenz":
Die Kooperation mit dem Innen- und Sportministerium ist selbstverständlich. Das Bewusstsein, dass der Fußball weit mehr als nur eine Sportart, „mehr als ein 1 : 0" ist - nämlich Bestandteil unserer Gesellschaft. Daraus leiten sich neben dem Tagesgeschäft der Fußballverbände, der Organisation des Amateur- und Jugend-Spielbetriebes auch Aufgaben im Freizeit- und Breitensport, in der Festigung der ehrenamtlichen Strukturen des organisierten Sports und damit auch in der Qualifizierung dieser Mitarbeiter/innen ab. Die Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs oder neuer Ausprägungsformen wie „Futsal" gehören ebenfalls dazu.
Das besondere an einer Fußballkonferenz ist jedoch die Chance, Netzwerke zwischen Sport, Wissenschaft, Wirtschaft, Kirche, Kunst und Politik zu knüpfen. Diese Verbindungen und der gemeinsame Dialog zu den teilweise komplexen und schwierigen Herausforderungen unserer Zeit helfen wesentlich bei der Erarbeitung zukunftsfähiger Lösungen. Die Themenfelder „der moderne Fußball- und Leichtathletikverein 2015", Auswirkungen der kommunalen Sportpauschale auf die Erhaltung der Sportstätten und die Lebensqualität der Menschen oder die Bedeutung des organisierten Sports in unserer Gesellschaft erfordern dies.
Durch die Moderatoren Martina Eßer und Manfred Breuckmann wurde auf unterhaltsame Weise durch das Programm geführt. Erster Schwerpunkt waren die „Fußball-Leidenschaften" in dem Beitrag von Dr. Theo Zwanziger, Präsident des DFB „Fußball in Deutschland im Jahr der WM".
Dr. Zwanziger nahm dabei nicht nur zu der in der Öffentlichkeit heiß diskutierten Frage, warum Bundestrainer Klinsmann nicht an dem einen Tag zuvor beendeten Treffen der WM-Nationaltrainer präsent war, sondern auch zu den tagesaktuellen Veröffentlichungen der Presse, einem möglicherweise neuerlichen Wettskandal im Deutschen Fußball Stellung. Neben diesen hoch aktuellen Stellungnahmen hob er insbesondere die Rolle des Gastgeberlandes Deutschland bei der Fußball-WM hervor - er freue sich mit allen Teilnehmern auf die Zeit ab dem
9. Juni 2006.
Prof. Dr. Dieter Grönemeyer ging in seinem Referat auf einen weiteren Aspekt der „Fußball-Leidenschaften" ein. Unter dem Titel „Den Fußball in die Wiege gelegt" stellte er auf beeindruckende Weise seine persönlichen Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendzeit in den Dienst der Ableitung dieser besonderen kulturellen Bedeutung des Fußball im Ruhrgebiet. Das Publikum dankte mit großem Applaus.
„Von Hochburgen und Highlights - Fußball im Westen" berichtete Heribert Faßbender, Sportchef des WDR-Fernsehens. Wer wie er bei so vielen Sporthöhepunkten in aller Welt live dabei war und berichtet hat, kann die Fußballepoche von Bern 1954 nach Berlin 2006 wie kaum ein Zweiter skizzieren. Übertragungstechnik, Berichterstattung einst und heute, Hintergründe - alles war dabei und die Zeit reichte kaum aus.
Die Diskussionsrunde mit Walter Hellmich (Vorstandsvorsitzender MSV Duisburg), Hans-Josef Justen (Leiter der WAZ-Sportredaktion), Prof. Dr. Frank Kalter (Universität Leipzig), Gerd Kolbe (WM-Beauftragter der Stadt Dortmund) und Olaf Thon (WM-Botschafter der Stadt Gelsenkirchen und „respect"-Pate) wurde durch ein Input-Referat von Prof. Dr. Franz R. Stuke (Ruhr-Universität Bochum) zum Thema „Fußball in NRW - mehr als ein 1 : 0 ?" eingeleitet. Die Perspektive eines Kommunikationswissenschaftlers zur Fanthematik, Entwicklungstendenzen des Profisports, gesellschaftlichen Verankerungen war spannend und forderte das Moderatorenteam beim Einstieg in eine aufschlussreiche Diskussionsrunde.
Vor der Mittagspause gab der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brussig, mit einem Vortrag aus Inhalten seines Buches „Die Welt ist ein Ball", einen Einblick in seine Interpretation des Männer-Fußballs. Wer nicht ganz genau zuhörte, verlor leicht die Perspektive, die sich der Künstler zu eigen machte und wirkte an einigen Stellen verwundert. So stellten nicht nur Teilnehmerinnen fest, dass Frauen-Fußball für den Schriftsteller offenbar nicht existiere und auch die Ab-schlusserklärung, dass Menschen nicht besser Fußball spielen können, weil sie es auf Grund ihrer Gehirnanatomie nicht besser können, war nicht allen wirklich ein Trost.
Prof. Dr. Gunter Gebauer (Freie Universität Berlin) sprach mit seinem Vortrag „Fast eine Religion: Idole, Heilige, Ikonen auf dem Rasen" vielen aus dem Herzen. In spannender Weise schlug er Brücken zwischen Historischen Ableitungen und heutigen Phänomenen, die die aufmerksamen Zuhörer faszinierten. Gut, dass seine Anreise mit Hindernissen noch rechtzeitig möglich war - auch er hat diesen Tag bereichert.
Beim Input-Referat „Wie werde ich ein Fußballstar?" - „Talentförderung auf dem Prüfstand" von Prof. Dr. Roland Naul (Universität Duisburg-Essen) waren natürlich die Vereinsvertreter besonders aufmerksam. Belegt durch zahlreiche Untersuchungen und Veröffentlichungen legte er den Grundstein zu einer sehr lebendigen Diskussionsrunde mit Peter Frymuth (Vorsitzender Jugendfußballausschuss WFLV), Bodo Menze (Leiter der Nachwuchsabteilung FC Schalke 04), Meinolf Sprink (Sportbeauftragter des Vorstandes der BAYER AG), Bettina Wiegmann (Verbandstrainerin und Ehrenspielführerin DFB) und Horst Zingraf (Präsident Bund Deutscher Fußball-Lehrer). Diese Diskussionsrunde verlief durch offen ausgesprochene Forderungen seitens des BDFL-Präsidenten und deren realistische Spiegelung an der Realität der Vereine durch die Fachvertreter der Verbände und Bundesligisten sehr aufschlussreich und lebendig. Wann sonst kann man als Vereinsvertreter einem Fachgespräch der Experten haunah beiwohnen?
Das Thema „Vereinsmeierei oder Dienstleister? Was Fußballvereine künftig leisten wollen" wurde durch Prof. Dr. Dieter Jütting von der Universität Münster prägnant und mit statistischen Kennzahlen beleuchtet. Sein Input mit der These „Vereinsmeierei sei auch ein Erfolgsgarant für Vereine" entfachte eine facettenreiche Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Christoph Breuer (Deutsche Sporthochschule Köln), Willi Hink (DFB-Direktor „Amateursport, Schiedsrichter, Frauenfußball), Hannelore Ratzeburg (Vorstandsmitglied DFB), Rudolf von Schorlemer (Präsident Bunte Liga Köln), Valentin Schmidt (Präsident und Sportbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland) Wolfgang Schwehm (Pädagogischer Leiter Qualifizierungszentrum WFLV) und Willi Wißing (Manager SG Essen-Schönebeck 19/68 e. V.). Am Ende stand nicht eine Lösung - vielmehr sind die Wege der Kirche, des Profisports, Trend setzender Amateurvereine bei zukunftsrelevanten Lösungen wertvoll - das Netzwerk „Menschen in Non-Profit-Organisationen". Und ganz wichtig ist auch der Austausch und die Kommunikation auf allen Ebenen innerhalb der Sportorganisation. Das dokumentiert der WFLV derzeit auch in seiner „Vereinsbefragung Juhuu" zur Mitgliedergewinnung und -bindung. Beeindruckende Antwort von Prof. Jütting auf die Bemerkung des Moderators er habe selbst nie in einer Vereinsmannschaft gespielt: „Dann haben Sie leider nie das Gefühl des Aufstiegs oder Abstiegs der Mannschaft kennen gelernt!"
Zur Schlussrunde „Ist Fußball unser Leben?" fanden sich Manuel Andrack (Autor), Oliver Bierhoff (Team-Manager der Deutschen Fußballnationalmannschaft), Reiner Calmund (WM-Botschafter des Landes NRW), Rainer Holzschuh (Chefredakteur „kicker"-Sportmagazin) und Hans Tilkowski (Botschafter des Friedensdorfes Oberhausen) ein. Natürlich wurde dieses Gespräch zu einem Höhepunkt des Tages, weil die Teilnehmer zu diesem Thema über so viele Informationen verfügen, die uns anderen normalerweise verschlossen sind. Und sie haben für uns einige Geheimnisse gelüftet und selbst die Medienvertreter von Presse und Fernsehen ahnten dies und warteten.
Die Moderatoren Martina Eßer und Manfred Breuckmann führten souverän durch das Programm und ließen auch ihren journalistischen Instinkt mehrfach durchblitzen. An ausgewogenen Informationsständen, an der „respect"-Fußballcouch oder während der Unterschriftensammlung „Autogrammbälle", für die am Schluss der Fußballkonferenz durchgeführte Verlosung, boten sich viele Gelegenheiten zu angeregten Gesprächen und schönen Fotoerinnerungen.
Diese Bilder und den Text der Grußworte, sowie die uns zur Verfügung gestellten Inputreferate und Vorträge können Sie (anstelle einer Dokumentation in Printform) unter www.fuss-ball-konferenz2006.de auf den Seiten des Innenministeriums NRW einsehen.