WFLV-Projekt optimiert Spitzenförderung im Mädchenfußball
WFLV-U13-Auswahlmannschaft bei den Mädchensichtungsspielen im Juli 2004 in der Sportschule Wedau
Fußball- Landesverbände von NRW in einem Boot
Die Entwicklung
Die zündende Idee zu diesem Förderprojekt geht auf die Unterschiede im Verständnis von individueller Talentförderung und damit auf die Kernfrage zurück, ob und in wie weit die mentale und psychische Disposition des Nachwuchstalentes für das Erreichen seiner individuellen Höchstleistung eine entscheidende Rolle spielen und demgemäß auch bei den Fördermaßnahmen mit berücksichtigt werden müssen.
Konzentriert sich das DFB-Förderprogramm der Jungen vornehmlich noch auf rein sportliche Aspekte, so favorisiert der WFLV in den Fördermaßnahmen seines Mädchen-Projektes, aus gutem Grund, auch die gezielte Unterstützung des Talentes in seinen Problemfeldern des Alltags: mehr Spiele auf höherem Niveau, aber nicht auf Kosten einer soliden schulischen Ausbildung; mehr Trainingseinheiten, jedoch nicht zu Lasten einer fähigkeitsorientierten beruflichen Absicherung; Fußball als Schwerpunktsportart, aber auch gezielten Ergänzungssport; Training mit Gleichstarken und Stärkeren, jedoch nicht zwingend verbunden mit einem Wohnortwechsel! Mit diesem Verständnis von Talentförderung wurden genau jene Richtlinien getroffen, welche die Sportstiftung NRW als aus ihrer Sicht förderungswürdig empfiehlt.
So konnten trotz landesweiter, notwendiger Einsparungen auch auf dem Sektor der Talentförderung im Sport die drei Landesverbände in NRW jeweils eine, mit der Fußball-Lehrer-Lizenz des DFB qualifizierte erfahrene ehemalige National- bzw. Bundesligaspielerin, als für den Mädchenfußball hauptamtlich verantwortliche Verbandssportlehrerin einstellen. Im Mittelrhein realisierte die Rekordnationalspielerin Bettina Wiegmann die nun gemeinsamen Absprachen zur Förderung des Mädchenfußballs. Der Niederrhein übertrug diese Aufgaben an die langjährige Nationalspielerin Martina Voss, und in Westfalen übernahm die Bundesligaspielerin Kathrin Peter die Verantwortung für Entwicklung und Durchführung der Fördermaßnahmen in ihrem Landesverband. Als fachlichen Berater berief der WFLV einen, aus jahrelanger eigener Tätigkeit in der Talentförderung der Jungen, erfahrenen Verbandssportlehrer, der, zwischen dem Jugendausschuss des WFLV als Träger des Projektes und den Trainerinnen einerseits sowie der Sportstiftung und dem LSB andererseits, die enge Zusammenarbeit mit plant und koordiniert.
Honorartrainer bzw. Honorartrainerinnen erhielten bestimmte Fußballkreise als Verantwortungsbereiche zur Talentsichtung und Fortbildung der Vereinstrainer zugewiesen. Eine Fortbildungsmaßnahme an der Basis erfolgt über die Einladung der Vereinstrainer zum Stützpunkttraining, das wechselweise auch gemeinsam mit der Verbandstrainerin durchgeführt wird. Ein anderer Weg soll die entsprechend unterwiesenen Honorartrainer in die Vereine ihres Verantwortungsgebietes führen zur Fortbildung aber auch zum Erfahrungsaustausch im Interesse des talentierten Mädchens.
Jeweils zwei Honorartrainer/innen leiten das individuelle Fördertrainingin den dezentralen Stützpunkten. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht dabei die spieltechnische Verbesserung der Mädchen. Hierzu dienen jedoch hauptsächlich aus realen Spielsituationen entnommene komplexere Aufgaben, welche gleichzeitig mit der Entscheidungsfähigkeit und dem schnellen Umschalten aus der Situationsentwicklung heraus, zwei im heutigen Fußball enorm wichtige Elemente anlegen und fördern können. Inhaltliche und pädagogisch-methodische Vorgaben werden auf regelmäßig durchgeführten Fortbildungsseminaren, sowohl auf regionaler Ebene als auch innerhalb eines Landesverbandes, durch die Verbandstrainerinnen vermittelt.
Das Wochenende mit Vergleichsspielen diente den drei Landesverbänden bislang lediglich zur mannschaftlichen Vorbereitung auf das Sichtungsturnier des DFB, für die jeweilige Altersklasse. Nun werden diese Spiele von den Verbandstrainerinnen für den Regionalverband, auch zur Sichtung und Förderung innerhalb mehrtägiger Lehrgänge der aktuell leistungsstärksten Spielerinnen genutzt, und damit für diese Nachwuchsfußballerinnen eine zusätzliche neue Stufe auf der Karriereleiter zum Nationalkader geschaffen.
Langeweile gibt es für diese Spielerinnen in diesen Lehrgängen des WFLV nicht. In den freien Zeiten zwischen den Trainingseinheiten, werden künftig die Verbandssportlehrerinnen zusammen mit entsprechenden Experten den Mädchen, in informativen Fortbildungsstunden sowie auch in persönlichen Beratungen in den einzelnen Problemfelder aus dem täglichen Leben, wie sie sich bei vermehrtem Engagement im Sport zwangsläufig für eine Spitzensportlerin auftun, sachgerecht und in altersgemäßer Weise mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wissen und Kenntnisse stärken nicht nur das Selbstvertrauen. In diesem Fall heißt es, auch den Kopf „frei" zu machen. Sorgen, Fragen und Ungewissheiten sollen geklärt bzw. weitgehend abgenommen werden, damit sich das talentierte Mädchen leichter und ausschließlich auf ihre sportlichen Aufgaben und Ziele konzentrieren kann.
Im Mittelpunkt der Kader-Lehrgänge steht ein Vergleichsspiel. Hier können die Talente positionsrelevante Erfahrungen sammeln, ohne den Druck von Sieg und Niederlage - teilweise auch in Absprache mit der DFB-Trainern. Der wichtige Kreis im Lernprozess taktischen Verhaltens schließt sich: Maßnahmen werden zunächst einstudiert, dann im Spiel getestet und anschließend in Ruhe gemeinsam und in Einzelgesprächen nach besprochen. Für die Kaderspielerinnen des WFLV ein Schritt heran an die internationale Luft im Nationalkader.
Bevorzugter Partner ist im kleinen Grenzverkehr der holländische Fußballverband. Eine andere, aber ebenso reizvolle und für die Sichtung des Dachverbandes als auch für die Mädchen aus dem erweiterten Jahrgangskader des DFB, wertvolle Art von Ver-gleichsspielen, wird in Absprache mit dem DFB gegen eine Auswahl des gleichaltrigen „Elite-Kaders" aus den übrigen deutschen Verbänden ausgetragen. Motivation zur Beharrlichkeit im Training für ein Mädchen, das es bislang nur auf die Liste des erweiterten DFB-Kaders geschafft hat, und eine zusätzliche Chance zum nachträglichen Aufrücken in den nationalen „Elite-Kader".
Erst 5 Jahre ist das Mädchen-Projekt jung. Schon hat der DFB, als Dachverband, eine diesbezügliche Zusammenarbeit mit dem WFLV aufgenommen. Daher soll im nächsten Beitrag eine genauere Beschreibung der verschiedenen „individuellen Fördermaßnahmen", die Vorteile der einzelnen Maßnahmen für die Entwicklung des Fußball-Nachwuchstalentes verdeutlichen.