WFLV-Projekt optimiert Spitzenförderung im Mädchenfußball (IV)
WFLV-Mädchensichtungsspiele mit den Amerikanerinnen im März 2006 in der Sportschule Duisburg-Wedau
Fußball-Landesverbände von NRW in einem Boot
„Die Integration als Elite-Förderung des DFB“
Drei Landesverbände bündeln im Bundesland NRW ihre Maßnahmen und Bemühungen zur Förderung des Mädchenfußballs und heben in Zusammenarbeit mit der Sportstiftung dieses Bundeslandes ein bislang einmaliges Projekt aus der Taufe. Kein Wunder, dass mittlerweile 40 bis 50 % der in den Bundeskader des DFB berufenen talentierten Mädchen in den verschiedenen Altersklassen ihren Ursprung und ihre sportliche Heimat in diesem Förderprojekt des Regionalverbandes WFLV gefunden haben.
Da die eigentliche Schnittstelle zum Elitekader des Dachverbandes bei den 21 Landesverbandskadern liegt, leistet der WFLV mit seinem regionalen Förderprojekt bereits einen nicht unerheblichen Teil der sportlichen Förderung des DFB. Bereits 6 Jahre nach Gründung dieses WFLV-Mädchen-Projektes trafen sich die zuständigen Vertreter des Dachverband DFB (Tina Theune-Meyer und Heike Ullrich) mit den Verantwortlichen für das WFLV- Projekt, um die einzelnen Fördermaßnahmen für die nordrhein-westfälischen „Spitzenspielerinnen“ (siehe Teil III dieser Reihe) im Detail zu präzisieren und als ein entsprechendes bundesweites Förderprogramm für alle „Elitespielerinnen“ des DFB innerhalb der regional unterschiedlichen Strukturen auszuweiten.
Individuelle Maßnahmen des WFLV-Mädchen-Projekts werden DFB-Fördermaßnahmen
Am 8. Mai diesen Jahres stellte der WFLV den geladenen Vertretern all jener Vereine aus Nordrhein-Westfalen das WFLV-Konzept vor, in deren Reihen sich Spielerinnen der jeweiligen WFLV-Kader befinden und welche sich im Mädchenfußball besonders und erfolgreich präsentiert haben. Dabei erläuterte die DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer jene individuellen Fördermaßnahmen (siehe Teil II dieser Reihe) als Vorgabe des DFB und notwendige Konsequenz für jede Spielerin, welche internationales Niveau erreichen und sich darin behaupten will.
„Die Ansprüche an die Spielerinnen des Elitekaders des DFB werden vom aktuellen Leistungsniveau im internationalen Frauenfußball vorgegeben.“
Als verantwortlicher Geschäftsführer stellte Jürgen Brüggemann die unterstützende Rolle der Sportstiftung NRW vor und unterstrich, dass diese besonderen Fördermaßnahmen allein der „Elite“ des DFB, also deren Kaderspielerinnen gewidmet sind. Das WFLV-Projekt bietet als Förderebene oberhalb der Schnittstelle zum Dachverband aber auch schon jenen Spielerinnen die Vorteile dieser Maßnahmen an, welche zwar noch nicht in den direkten DFB-Kader, jedoch bereits in die Jahrgangs-Elite des WFLV berufen worden sind. Ein Plus für jene, die noch „nach oben“ wollen.
Zusammenarbeit des DFB und WFLV
Bereits 10 Tage nach der ersten gemeinsamen Sitzung mit dem DFB erarbeiteten die Verbandstrainerinnen der drei westdeutschen Landesverbände, Bettina Wiegmann, Martina Voss und Kathrin Peter, zusammen mit der DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer Inhalte und Strukturen für individuelle Trainingspläne. Generell sollen 5 Trainingstage in der Woche ganz allgemein das Erreichen und Halten des international erforderlichen Niveaus gewährleisten. Dabei wird von zwei- bis dreimaligem Vereinstraining ausgegangen. Die Verbesserung der Spieltechnik, genauer gesagt die Verbesserung der Fähigkeit, schneller kontrolliert auch in engen Situationen zu spielen, steht im Mittelpunkt eines zusätzlichen obligatorischen Trainingstages pro Woche in den jeweiligen Leistungsstützpunkten der Verbände. Überall dort, wo regionale und sportliche Möglichkeiten es zulassen, sollen die Elitekickerinnen des DFB wenigstens einmal pro Woche bei Jungenmannschaften entsprechenden Leistungsniveaus mit trainieren, um kontrolliertes Tempospiel zu erhöhen sowie die international erforderliche Robustheit im Zweikampf zu fördern. Eine möglichst komplette sportliche Fitness wird über alternativen Sportunterricht wie vor allem Basketball oder auch rhythmische Sportgymnastik in zusätzlichen Sportstunden an ausgewiesenen und nahe gelegenen Partnerschulen des Sports erzielt werden.
„Wer das internationale Parkett im Frauenfußball betreten will“, so DFB-Trainerin Theune-Meyer, „muss mit der regelmäßigen Durchführung von speziell für sie erstellte „Hausaufgaben“ zur Minimierung individueller Defizite auch Eigenverantwortung für ihre sportliche Karriere zu übernehmen bereit sein.“ Gezielte sportärztliche Untersuchungen sowie international ausgewiesene Tests der allgemeinen koordinativen Fähigkeiten sollen in Zukunft zusätzliche Hinweise für derartige „Hausaufgaben“ geben.
Vorrang der schulischen Ausbildung
Zahlreiche Schulen in ganz Deutschland haben in den vergangenen Jahren ihr besonderes Interesse am Nachwuchs-Leistungssport und der Förderung junger Athleten und Athletinnen ihrer Landesregierung signalisiert und den Status einer Partnerschule des Sports erhalten. Um auch den „Elite-Fußballerinnen“ künftig Angebote mit zusätzlichem Sportunterricht, Rücksichtnahme auf Trainingszeiten und sportliche Verpflichtungen bei Klausuren sowie der Bereitstellung einer pädagogische Betreuung bei individuellen Schwierigkeiten an einer solchen sportinteressierten Schule in der näheren Umgebung unterbreiten zu können, lotsen derzeit die Verbandstrainerinnen des jeweiligen Landesverbandes gemeinsam mit der DFB-Trainerin die schulischen Möglichkeiten für einen Wechsel einer im näheren Umfeld wohnenden Elite-Spielerin an eine solche sportbetonte Schule aus. Grundsätzlich müssen Schulform und Schwerpunktfächer übereinstimmen und Einrichtungen eines Teilinternats mit Beköstigungsmöglichkeiten und Schulaufgabenbetreuung vorhanden sein für Spielerinnen, die nach der Schule nicht erst nach Hause sondern direkt zu ihrem Training fahren.
Nutzung vorhandener Fördereinrichtungen
Nach der Fußball-Weltmeisterschaft sollen in Gesprächen mit dem LSB die Nutzungsmöglichkeiten der bereits für die Top-Athleten vieler anderen Sportarten bestehenden Fördereinrichtungen an den Olympiastützpunkten in NRW ausgelotet und erste Schritte für die Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln eingeleitet werden zur Erstellung so genannter Athleten- Akten für eine individuelle Karriereberatung hinsichtlich der Einbindung der sportlichen Aufgaben in den allgemeinen Berufsweg und im speziellen auch bezüglich möglicher und gewünschter Studienpfade nach Abschluss der Schulausbildung. Denn diese Datenbank gibt auch Auskunft über die persönlichen beruflichen Zielvorstellungen der Elitespielerinnen. Mit diesen Angaben will auch die Sportstiftung aus der Wirtschaft angebotene Lehrstellen gezielter an die entsprechenden Spitzentalente im Sport weitergeben und oft einen längeren Bewerbungsmarathon vermeiden helfen. Schließlich kann diese Art der Unterstützung auch als eine Art der Anerkennung für das hohe Engagement die Elitespielerinnen in ihrem Sport für ihr Land verstanden werden.
Im Herbst diesen Jahren sollen nun diese besonderen Fördermaßnahmen, wie sie angepasst an die unterschiedlichen Strukturen der Regionen des DFB eines Tages bundesweit greifen sollen, den Auswahlspielerinnen selbst und deren Eltern vorgestellt werden. Damit wird im Mädchen- und Frauenfußball ein entscheidender Schritt zur Optimierung einer verantwortungsbewussten Talentförderung eingeleitet.