WFLV-Ehrenmitglied Hermann Beckfeld wurde 85 Jahre
Bei herrlichem Sonnenschein feierte der ehemalige Schatzmeister des WFV und unser jetziges Ehrenmitglied Hermann Beckfeld seinen 85. Geburtstag. Zu den zahlreich erschienen Gratulanten gehörten der amtierenden WFLV-Präsident Hermann Korfmacher, der Präsident des LSB Richard Winkels, der Präsident des FV Niederrhein Walter Hützen, der Schatzmeister LSB und Vizepräsident FVN Josef Bowinkelmann, die Geschäftsführer des WFLV und FVN sowie weitere hochrangige Repräsentanten der Stadt Bottrop sowie der FußnallverbändeAus Sicht des ebenfalls fußballbegeisterten Sohnes werden nachstehend einige sportliche Stationen im Fußball- und Familienleben des Jubilars geschildert.
Über den eigenen Vater zu schreiben, ist einfach und doch wieder schwer. Einerseits ist man als Sohn selbstredend befangen und subjektiv - und das sollte ein Journalist ja eigentlich nicht sein. Andererseits: Kaum einer kennt ihn nun mal besser als ich.
Ich habe es schon in mancher Rede erwähnt und möchte es zu seinem 85. Geburtstag noch einmal wiederholen. Wenn ich an meine Kindheit denke, fallen mir als erstes unsere gemeinsamen Spaziergänge ein. Immer sonntags morgens, immer der gleiche Weg, immer die gleichen Ziele. Am Jahn-stadion, am Zaun zum Aschenplatz, blieben wir stets stehen. Dann spielte die B-Jugend des VfB, seines VfB, und erst viel später habe ich begriffen: Meines Vaters Fußballherz schlägt für viele Vereine, für Profis und Amateure, aber besonders für die Jugend. Und noch eins sollte ich später häufig erleben: Mein Vater war, trotz seiner vielen und verantwortungsvollen Aufgaben, nie einer, der sich aufspielen wollte. Nie einer, der in erster Reihe glänzen wollte. Er arbeitete, beobachte lieber aus dem Hintergrund - deshalb unser Stammplatz hinter dem Zaun.
Aber gehen wir weiter: Stadtgarten, Marienhospital, Elternhaus des Vaters. Unterwegs konnte er tolle Geschichten erzählen, die sich, zugegeben, immer mal wiederholten, aber immer spannend waren. Geschichten aus seiner Jugend, als jüngstes von neun Kindern. Wie er gleichzeitig Handball und Fußball spielte, vom Taubenschlag im Garten und den Streichen, die man in jungen Jahren nun mal ausheckt. Von den Heimfahrten aus der Kaserne, um für den VfB zu kicken und gegen Schalke ein Tor von der Mittellinie zu erzielen. Auch von den schweren Kriegszeiten, in denen er fünf Mal verwundet wurde. So schwer, dass er nicht mehr selbst auflaufen konnte. Aus dem Spieler Beckfeld wurde der Funktionär Beckfeld.
Von seinen nicht zu zählenden Ehrenämtern beim VfB und Stadtsportbund Bottrop, beim Fußballkreis 10 und den Fußballverbänden, erzählte er damals wenig. Ich glaube, ich wollte auch nichts davon hören - schließlich, so musste ich es als Junge empfinden, waren es ja gerade diese Ämter, die mir von montags bis samstags den Vater nahmen.
An seinem Elternhaus, da wurde, da durfte nichts erzählt werden. Das hätte die Tauben gestört, die eh schon immer zu spät den heimischen Schlag anflogen. Typisch Vater. Das Tau-benschicken, das Einsetzen, das Fachsimpeln über Witwenschaft und Volle, das reichte ihm nicht. Er managte schon bald den ganzen Club, organisierte Feste und Fahrten. Er ist eben einer, der gern organisiert. Und das fördert und liebt, was das Leben im Ruhrgebiet so unverwechselbar macht. Klar, der Fußball, der aussterbende Taubensport.
Aber auch die Geselligkeit an Theke und Stammtisch, ein Lied und Witz zur rechten Zeit. Oder eine Runde Skat und Doppelkopf. Wenn wir später gemeinsam gespielt haben, hat nur immer er geschrieben. Er ist der Mann der Zahlen, der sich nie verrechnet hat. Beim Skat, aber mehr noch als Schatzmeister des Fußballverbandes Niederrhein und des Westdeutschen Fußballverbandes. Ein Finanzchef, der das Fußball-Geld so verantwortungsvoll verwaltete als wäre es sein eigenes.
Jetzt sind wir schon so ein langes Stück auf dem gemeinsamen Weg gegangen und ich habe noch nichts geschrieben von den vielen Ehrungen, die mein Vater während seiner fast
50-jährigen Funktionärs-Tätigkeit entgegen nehmen durfte. Von der Ehrennadel in Gold des VfB Bottrop, vom Ehrenring und der Ehrennadel in Gold des FVN und des Westdeutschen Fußballverbandes, von der Goldenen Ehrennadel des DFB, der Sportplaket-te des Landes, dem Bundesverdienstkreuz...
Aber halt, es würde zu weit führen, alle Auszeichnungen aufzuführen. Wichtiger sind meinem Vater eh die Weggefährten. Die Freunde, die ihn jahrzehntelang begleiteten und noch begleiten. Die mit ihm vieles gemeinsam haben: das ehrenamtliche Engagement, die Zufriedenheit über gelöste Aufgaben wie zum Beispiel die Übernahme und den Aufbau der Sportschule Wedau. Auch die Erinnerung: An Fahrten mit der Verbandself nach Tunesien, Ägypten, Amerika, Schottland.
An große Spiele: das WM-Finale 1974 im eigenen Land, die Pokalendspiele in Berlin, WM-Partien in Frankreich...
Sein Lieblingsplatz heute: die Terrasse seines Hauses, mit Blick auf den Garten, wo in mehr als 50 Jahren Ehe nur eine das Sagen hat und mit viel Liebe und Geschick die Pflanzen blühen lässt: meine Mutter, „seine“ Ingrid.
Veränderte Rolle. Heute laufe ich den umgekehrten Weg zu meinem Elternhaus und doch wohl in die gleiche Richtung. Nur: Diesmal erzähle ich die Geschichten und meine Kinder hören zu. Wenn ich von den Vater-Sohn-Fahrten mit „Opa Hermann“ schwärme.
Zur Fußball-WM nach Italien, wo mein Vater die erste Spaghetti Bolognaise aß (und danach auch so aussah). Wo wir in einer der schönsten Arenen der Welt, im Meazza-Stadion, eins der besten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft erleben durften und ein überragender Matthäus die Beckenbauer-Elf zum 4:1 Sieg gegen Jugoslawien führte.
Zur Fußball-EM nach Schweden, zu Viert im Wohnwagen. Herrliche, unbeschwerte Tage: Morgens Doppelkopf, nachmittags Fußball, abends ein kühles Bier beim Grillen.
Zur Fußball-WM nach Amerika. Un-vergesslich: der Abend bei der deutsch-amerikanischen Sepp-Herberger-Gesellschaft mit Egidius Braun am Klavier.
Der einstige Präsident des DFB hat den Ehrentag meines Vaters natürlich nicht vergessen. In einem ganz persönlichen Schreiben gratulierte er zum Ehrentag am 5. Juni – Glückwünsche, die meinen Vater ganz besonders gefreut haben.