"Gender Mainstreaming im Sport" - Der WFLV ist dabei
Wenn doch dieses englische Wortungetüm nicht wäre...
„Gender Mainstreaming im Sport - Gemeinsam an die Spitze“ war Titel der Kick-Off-Veranstaltung am 5. März im Stadttor (Düsseldorf), zu der MSWKS (Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport) und LSB die Vertreter von Fachverbänden und Sportbünden eingeladen hatten. Mehr als 120 interessierte Männer und Frauen aus dem Sport wollten sich bei der Auftaktveranstaltung im Sitzungssaal der Staatskanzlei aus erster Hand informieren, was es mit diesem schwierigen Begriff auf sich habe und wie die ersten Pilotprojekte in NRW aussehen könnten.
Viele Besucher staunten nicht schlecht, als sie von Sportminister Dr. Michael Vesper selbst erfuhren, dass neben dem Schwimm- und dem Behindertensportverband ausgerechnet der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband zu den drei ersten Partner-Organisationen gehört. Die Gleichstellung von Frauen und Männern im Verband zu prüfen und mit der Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen und Interessen ernst zu machen, ist jedenfalls erklärter Wille. „Respekt, Respekt,“ kommentierte LSB-Präsidiumsmitglied Maria Windhövel das Engagement der Fußballer, „sich an die Spitze dieser Bewegung zu stellen, hat viele Menschen in Sport und Politik positiv überrascht“. Dies wiederum erstaunte WFLV-Geschäftsführer Dr. Gregor Gdawietz. „Hermann Korfmacher steht nicht erst seit gestern als Präsident unseres Verbandes in besonderem Maße für soziale Verantwortung, Dialogbereitschaft und faires Miteinander“. Da fügt sich der Präsidiumsbeschluss, sich am Pilotprojekt „Gender Mainstreaming“ zu beteiligen, in die Reihe vieler neuer Maßnahmen, die sich am Wort unseres DFB-Ehrenpräsidenten Egidius Braun orientieren:„Fußball ist mehr als 1:0“.
Gleichstellung zu wollen scheint auch für Sportminister Dr. Vesper eine Selbstverständlichkeit zu sein, die er in seiner Begrüßungsrede glaubwürdig mit biographischen Fakten unterlegte und durch Mitbringen seines gerade zweieinhalb Monate alten Nachwuchses augenfällig demonstrierte.
Auch LSB-Vizepräsident Walter Schneeloch konnte im Interview mit WDR-Moderatorin Dr. Angela Maas zeigen, dass er voll im Thema ist und die unterschiedlichen Motive der Verbände für eine Teilnahme am Projekt verständlich erläutern.
Verständlichkeit und direkte Ansprache bei hoher Sachkompetenz und -autorität, das waren die Markenzeichen der Hauptreferentin aus Berlin. Jura-Professorin Dr. Susanne Baer lieferte ein begeisterndes Plädoyer für eine situationsangemessene Handhabung von Gender-Strategien. Kompakt und systematisch ihr gesamter Vortrag, evident ihre Beispiele, nachvollziehbar ihre Thesen, zwingend ihre Schlussfolgerungen. So einfach kann man schwierige Themen vermitteln.
Nicht weniger interessant stellte sich der Beitrag von Professorin Ilse Hartmann-Tews von der Sporthochschule Köln dar, die im Übrigen die Gender-Pläne des WFLV begleiten wird. Sie lieferte eine Fülle konkreter Möglichkeiten und Perspektiven für den Sport in NRW, die so manchen Tagungsteilnehmer zu eigenen Überlegungen veranlassten.
Die Skepsis einiger Besucher, ob mit Gender Mainstreaming nur ein weiterer neuer Begriff für den guten alten Aufruf zur Frauenförderung geprägt wird, scheint die begeisterungsfähigen Befürworter der systematischen Gleichstellungsorientierung keineswegs zu irritieren. Es gibt offensichtlich gute Gründe, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.